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Eos-Preis für philosophische Essayistik zur Frage: „Gibt es personale Authentizität – und wenn ja, ist sie erstrebenswert?“

Angaben zum Bild: Carlfriedrich Claus (1930-1998): „Resurrektion Aurora“; Aurora-Mappe, Blatt 11; 1976/77; Radierung farbig (Ätzung, Nadel); Druckmaß: Platten G, J, 18,0 x 14,8 cm; Blattmaß: 40,0 x 30,0 cm; WVZ Werner, G 36 II b; Kunstsammlungen Chemnitz, Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv; © VG Bild-Kunst, Bonn 2018; Foto: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/László Tóth // Wir danken den Kunstsammlungen Chemnitz für die freundliche Unterstützung.

„Das Große ist nicht dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein.“ (Søren Kierkegaard)

„Werde, der du bist!“ (Friedrich Nietzsche)

Alles wirklich Wertvolle kommt nicht aus dem Ehrgeiz oder aus dem Pflichtgefühl, sondern aus der Liebe und Devotion gegenüber Menschen und objektiven Dingen.“ (Albert Einstein)

„Man wundert sich, dass nicht massenhaft Menschen in dieser Zwickmühle durchdrehen: Einerseits heißt es, man solle sich selbst immerzu inszenieren und permanent neu erfinden, andererseits wird verlangt, man müsse dabei unbedingt und stets man selbst, also ‚authentisch‘ bleiben! So wird die Jagd nach einem echten Ich zur regelrechten Obsession.“ (Christian Saehrendt)

 

„Authentizität“ ist ein ebenso komplexer wie auch facettenreicher Begriff. Man spricht von authentischen Kunstwerken, von authentischen Gefühlen, von authentischen Zeugenaussagen, authentischem Essen, authentischen Schlüsseln oder authentischen Urlaubsorten. Bei all diesen Formen von Authentizität stellt sich die Frage, wie sie sich genau definieren und beurteilen lässt. Was unterscheidet etwa ein „authentisches“ italienisches Eis von einem „unauthentischen“? Sind Kunstwerke nicht deshalb gut, weil sie gut sind, unabhängig davon, ob sie in irgendeinem Sinne „echt“ sind? Und wie kann ich mir jemals sicher sein, ob das Gefühl, dass ich gerade empfinde, wirklich „von mir“ stammt, oder auf meine kulturelle Prägung oder andere äußerliche Faktoren zurückzuführen ist?

Besonders umstritten ist jedoch die Vorstellung einer personalen Authentizität. In unserer Gesellschaft wird es oft verlangt, dass wir uns als „authentische Personen“ beweisen – sei es im Vorstellungsgespräch, beim ersten Date oder eben im Kunstbetrieb. „Authentizität“ ist dabei zu einem von vielen Bildern besetzten Konzept geworden, das längst die Plakate von Zigarettenfirmen, Brauereien und Modelabels ziert. Oft wird Authentizität mit Natürlichkeit assoziiert – aber ist man noch authentisch, wenn man nur einem solchen Stereotyp von Authentizität folgt? Und wie ginge es anders? Wer bin ich, was kann ich, was will ich? Wie kann ich darauf jemals eine abschließende Antwort finden?

Gibt es überhaupt so etwas wie eine einheitliche Person, die authentisch sein könnte oder nicht? Oder ist jede Person notwendig nichts weiter eine Assemblage von Masken, hinter denen sich überhaupt kein „wahres Gesicht“ verbirgt? Ist das Ideal der Authentizität mithin eine reine Fiktion, der noch dazu eine die Menschen kontrollierende und disziplinierende Funktion zukommt?

Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass das Ideal personaler Authentizität ursprünglich als kritisches Gegenbild zu einer als verlogen und repressiv wahrgenommenen Lebenswelt ersonnen worden ist, in der sich die Menschen nicht nur wechselseitig, sondern auch selbst über ihre wahren Absichten und Bedürfnisse belogen hätten. Besitzt diese Art der Kulturkritik nicht nach wie vor eine große Aktualität – oder sind wir vielleicht sogar zu authentisch und sollten wieder lernen, nicht allzu sehr in unseren eigenen Abgründen zu bohren? …

 

Die Halkyonische Assoziation für radikale Philosophie (HARP) und die Thumm-Stiftung schreiben in diesem Jahr zum ersten Mal den Eos-Preis für philosophische Essayistik aus. Prämiert werden sollen Beiträge, die sich mit der Frage auseinandersetzen, ob es so etwas wie personale Authentizität überhaupt gibt und ob sie, wenn dem so ist, als Ideal erstrebenswert ist. Sie sollten im Ansatz sowohl originell als auch schlüssig argumentiert sein und sich nicht ausschließlich an ein akademisches Publikum richten.

Die Essays müssen in deutscher Sprache verfasst sein und sollten nicht mehr als 22.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) umfassen. Der Fußnotenapparat sollte ebenso wie evtl. bibliographische Angaben möglichst knapp gehalten werden. Ein Literaturverzeichnis ist nicht erforderlich. Es werden nur Texte akzeptiert, die exklusiv für den Wettbewerb geschrieben und nicht bereits publiziert worden sind.

Über die Qualität der Einsendungen urteilt eine Jury, die sich aus Mitgliedern der Redaktion der Philosophiezeitschrift Narthex. Heft für radikales Denken sowie Vertretern der Thumm-Stiftung zusammensetzt. Die drei besten Artikel werden in der kommenden Ausgabe der Narthex (2019) veröffentlicht und mit Preisen von 500 € (1. Platz), 300 € (2. Platz) und 200 € (3. Platz) prämiert. Es ist zudem eine feierliche Preisverleihung in Leipzig geplant.

Die Jury behält sich vor, das Preisgeld anders zu verteilen oder von einer Vergabe abzusehen, sofern nicht genügend preiswürdige Einsendungen vorliegen.

Die Texte sind als PDF-Datei bis zum 28. Februar 2019 an eos-preis [at] tutanota.de zu senden. Die Datei sollte komplett anonymisiert, die Kontaktdaten des Einsenders in einem separaten Dokument enthalten sein. An diese E-Mail-Adresse können auch gerne Rückfragen gerichtet werden.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.