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N. meets N. meets N. – Ein Facebookchat über personale Authentizität

Die Narthex lädt den Nietzscheforscher Christian Niemeyer, emeritierter Professor für Sozialpädagogik und Autor zahlreicher Forschungsbeiträge zu verschiedensten Themen,((Vor etwa einem halben Jahr war er bei uns mit einem Vortrag zum Identitätsbegriff bei Nietzsche zu Gast.)) ein, über das Thema der kommenden Ausgabe einen Facebookchat zu führen – öffentlich und mit der Möglichkeit für virtuelle Zwischenrufe. Das Experiment umfasst zwei Teile: Eine intensive Chatsitzung über zwei Stunden am 9. 2. um 20 Uhr gefolgt von der Möglichkeit, eine Woche lang nochmal nachzuhaken. Wir wollen schließlich über komplexe Themen diskutieren, die womöglich etwas mehr Bedenkzeit erfordern. Herauszufinden gilt es insbesondere, ob sich Facebook – oftmals gerade als Ort der unauthentischen, auf nichts als Selbstdarstellung und Rechthaberei bedachten Kommunikation verschrien – auch als Medium für einen authentischen, produktiven Austauschen nutzen lassen kann.

 

Link zur Veranstaltung auf Facebook.

 

Nietzsche ist mit seinem Leitspruch „Werde, der Du bist“ sicherlich als einer der bedeutendsten Impulsgeber des Authentizitätsdenkens zu begreifen und wirkte auch dementsprechend. Gleichzeitig betonen gerade in jüngerer Zeit zahlreiche Interpreten die Bedeutung der Maskerade für Nietzsche und verstehen ihn als Vertreter einer Ethik der Unauthentizität. Wie geht das zusammen? Mit Christian Niemeyer – der insbesondere auch zu Nietzsches Biographie geforscht hat – wollen wir nicht zuletzt besprechen, inwiefern Nietzsche diesem Leitspruch selbst gerecht worden ist.

Einer der wichtigsten Wirkungsstränge Nietzsches im Sinne des Authentizitätsdenkens war dabei die Jugend- oder auch Lebensreformbewegung, die ab etwa 1900 ausgehend von einer Kritik am städtischen modernen Leben eine Rückkehr zur Natur propagierte. Man ging etwa gemeinsam wandern, sang Lieder, versuchte sich natürlich zu ernähren und zelebrierte den nackten, sportlichen Körper als Inbegriff von unverfälschter Schönheit. Christian Niemeyer hat zu diesem Phänomen intensiv geforscht und die Auffassung vertreten, dass es eine direkte Kontinuität zwischen dieser Bewegung und der Hitlerjugend gäbe. Wirft das nicht auch einen Schatten auf das Authentizitätsideal selbst?

Zu guter Letzt wollen wir Christian Niemeyer als Erziehungswissenschaftler befragen, inwiefern Authentizität – und damit auch die Philosophie Nietzsches – heute eine Relevanz für die Pädagogik hat. Soll und kann Erziehung eine Erziehung zur Authentizität sein? In seinen Publikationen plädiert Christian Niemeyer insbesondere dafür, ein emanzipiertes Verhältnis zur eigenen Sexualität in den Mittelpunkt der Erziehung zu rücken.