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Eos-Preis für philosophische Essayistik zur Frage: „Was bedeutet 1989 für das Denken von Geschichte?“

Eos-Preis für philosophische Essayistik zur Frage: Was bedeutet 1989 für das Denken von Geschichte?

Demonstration am 4. November 1989 in Berlin; Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-437 / Settnik, Bernd / CC-BY-SA 3.0

Was wir beobachten, ist vielleicht nicht nur das Ende des Kalten Krieges oder wie eine bestimmte Periode der Nachkriegsgeschichte vergeht, sondern das Ende der Geschichte selbst: das heißt den Endpunkt der ideellen Entwicklung der Menschheit und die Universalisierung der liberalen, westlichen Demokratie als finales Stadium menschlicher Regierungsformen.“ (Francis Fukuyama im Sommer 1989)

Nicht der Sozialismus stirbt, sondern der ‚rohe Kommunismus‘. Man hat den Eindruck einer Metamorphose. Eine Haut wird abgestoßen, die schon tot ist. Und dies hängt natürlich mit der Entwicklung der Zyklen der Weltwirtschaft zusammen. …“ (Peter Ruben im November 1989)

So wie in der institutionellen Aktualisierung Westeuropas im Jahr 1968 ein ‚Wind des Wahnsinns‘ zu spüren gewesen ist, so war auch 1989 ein Wind des Wahnsinns […] spürbar. Das klarste Zeichen dafür waren der radikale Anklang für die am wenigsten plausible aller prosystemischen Ideologien – namentlich die monetaristische Ideologie gnadenloser ‚Ökonomisierung‘ als Weg zu westlichem Wohlstand und westlicher Macht.“ (Arrighi/Hopkins/Wallerstein 1992)

Das starke Gefühl vom November 1989, jene unmittelbare Gewissheit, noch einmal geschehende Geschichte zu erleben, war dadurch mitbedingt, dass die Öffnung der Mauer eine so unvorhergesehene wie dramaturgisch unentbehrliche Abschlussfigur der revolutionsgeschichtlichen Sequenz darstellte, die seinerzeit im Pariser Juli begonnen hatte, um nun, zufällig und zwingend, in einem Berliner Spätherbst zu enden.“ (Peter Sloterdijk 2019)

Eine wirkliche Erneuerung der Linken in Gesamtdeutschland kann nur erfolgreich sein, wenn sie nicht nur, wie die Westlinke, das Erbe von 1968 antritt, sondern auch das Erbe des einzigen sozialistischen Staates auf deutschem Boden sowie der letzten sozialistischen Revolution auf deutschem Boden.“ (ein Leipziger Pamphletist 2019)

Mit unserer diesjährigen Preisfrage zielen wir auf verschiedene geschichtsphilosophische Dimensionen der Ereignisse um 1989 zwischen utopischer Hoffnung auf eine Weiterentwicklung des Sozialismus und der Perspektive einer kapitalistischen Restauration ab. Wie steht es um die These vom „Ende der Geschichte“? Kann es eine Geschichtsphilosophie nach 1989 geben und inwiefern ist es dafür unabdingbar, den Moment 1989 gleichsam als Prisma für die Geschichte der DDR in globalem Kontext zu reflektieren? Lässt die denkerische Durchdringung von 1989 neue Rückschlüsse auf das Problem der Aufhebung der Philosophie als ihrer Realisierung zu? Stellt die DDR einen Bruch oder eine Kontinuität in der Geschichte in der Tradition der Aufklärung dar, die als Sackgasse verworfen werden muss oder an die angeknüpft werden kann? Oder stellt sie nur eine „Fußnote in der Weltgeschichte“ (Hans-Ulrich Wehler in Anknüpfung an Stefan Heym) dar, die man getrost ignorieren kann? Welche Linien schließlich wirft der Moment 1989 auch heute noch gerade in seinen unrealisierten Potentialen in Gegenwart und Zukunft?

Die Halkyonische Assoziation für radikale Philosophie (HARP) und die Thumm-Stiftung vergeben gemeinsam den Eos-Preis für philosophische Essayistik für Beiträge, die sich mit der genannten Preisfrage auseinandersetzen. Diese sollten im Ansatz sowohl originell als auch schlüssig argumentiert sein und sich nicht ausschließlich an ein akademisches Publikum richten.

Die Essays müssen in deutscher Sprache verfasst sein und sollten nicht mehr als 22.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) umfassen. Der Fußnotenapparat sollte ebenso wie evtl. bibliographische Angaben möglichst knapp gehalten werden. Ein Literaturverzeichnis ist nicht erforderlich. Es werden nur Texte akzeptiert, die exklusiv für den Wettbewerb geschrieben und nicht bereits publiziert worden sind.

Über die Qualität der Einsendungen urteilt eine Jury, die sich aus Mitgliedern der Redaktion der Philosophiezeitschrift Narthex sowie Vertretern der Thumm-Stiftung zusammensetzt. Die drei besten Artikel werden in der kommenden Ausgabe der Narthex (2020) veröffentlicht und mit Preisen von 500 (1. Platz), 300 (2. Platz) und 200 (3. Platz) prämiert. Es ist zudem eine feierliche Preisverleihung in Leipzig geplant.

Die Jury behält sich vor, das Preisgeld anders zu verteilen oder von einer Vergabe abzusehen, sofern nicht genügend preiswürdige Einsendungen vorliegen.

Die Texte sind als PDF-Datei und als Office-Datei (um die Zeichen zählen zu können) bis zum 31. Juli 2020 an eos-preis[at]tutanota.de zu senden. Die Datei sollte komplett anonymisiert, die Kontaktdaten des Einsenders in einem separaten Dokument enthalten sein. An diese E-Mail-Adresse können auch gerne Rückfragen gerichtet werden.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.